„Die Flucht nach der Flucht“: Interview mit Maissara M. Saeed

von Hannes Opel
Interview mit Maissara von NDR
Maissara M. Saeed, ein Flüchtling aus dem Sudan, steht vor seinem Zimmer in der Landesaufnahmebehörde in Braunschweig. © ONLINE NDS Fotograf: Hannes Opel Detailansicht des Bildes Ein Flur als Grenzstreifen in der Landesaufnahmebehörde Braunschweig. Europa endet in Braunschweig auf einem langen geraden Flur. Ein Grenzstreifen. Zu beiden Seiten Türen, hinter denen die unterschiedlichsten Nationen liegen. Die Landesaufnahmebehörde (LAB) befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Mars-La-Tour-Kaserne am Rande der Stadt. Inmitten eines brachen Waldstücks wurde die Anlage im ausgehenden 19. Jahrhundert gebaut. Eine Seniorenresidenz und eine Kirche leisten ihr seit 2002 Gesellschaft. Verwahrt, gebetet und gestorben wird nicht nur in Braunschweig in der Peripherie. Die Einrichtung umfasst ein 64.000 Quadratmeter großes Areal. Um die massiven Betonklötze – vier Wohnheime, mehrere Verwaltungsgebäude und eine Kantine – ist ein hoher Zaun gezogen. Wer hinein oder hinaus will, muss sich beim Wachpersonal melden. So schwierig, wie es für Flüchtlinge dieser Tage ist, Europa zu erreichen, so schwierig scheint es, sie in ihren europäischen Reservaten zu besuchen.
„Gebt uns unsere Menschenrechte zurück!“

Seit seiner Ankunft setzt sich Maissara M. Saeed für die Rechte von Flüchtlingen ein. NDR.de begleitete ihn auf dem Weg zum Hohen Flüchtlingskommissar nach Berlin.

„Seitdem ich um Asyl bat, behandelt mich Europa wie einen Verbrecher.“ Maissara M. Saeed steht vor der Schranke am Eingangstor des Lagers, in dem er seit zehn Monaten lebt. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, tritt er frierend von einem Bein aufs andere. Er erzählt seine Geschichte, als rede er über einen Fremden. Als wäre es nach den Gesprächen mit unzähligen Behörden, Organisationen und Politikern nicht mehr seine eigene, sondern die ihre geworden.
Diskriminierung, Inhaftierung, Verfolgung

Maissara M. Saeed, ein Flüchtling aus dem Sudan, auf der Straße vor der braunschweiger Landesaufnahmebehörde. © ONLINE NDS Fotograf: Hannes Opel Detailansicht des Bildes Maissara M. Saeed kam aus dem Sudan nach Deutschland – in der Hoffnung auf Schutz. „Ich komme aus dem Nordsudan. Vor der Teilung war es das größte Land Afrikas. Die Menschen sprechen verschiedene Sprachen, glauben an unterschiedliche Götter. Ihre Hautfarbe ist schwarz. Trotzdem machen sie Unterschiede. Sie sagen, die einen seien Araber und hätten hellere Haut, wären deshalb privilegierter als Schwarzafrikaner im Westen oder Süden.“ Im Nordsudan lebe er wie ein Mensch ohne Rechte, erklärt Saeed. Diskriminierungen, Inhaftierungen und Verfolgung seitens der Regierung seien an der Tagesordnung. Seinen Job als medizinischer Assistent an einer Universität hat er verloren, weil er der Meinung war, dass Studenten diskutieren sollten. „Seit 20 Jahren ist in meinem Land ein islamistisches Regime an der Macht. Präsident Umar al-Baschir wird per Haftbefehl vom internationalen Strafgerichtshof gesucht. Er ist verantwortlich für den Genozid in Darfur.“
Über Ägypten und Österreich nach Deutschland

Nur wenige Flüchtlinge schaffen es dieser Tage noch nach Deutschland. Auch Maissara Saeed hat einen langen Weg hinter sich. Mit einem gültigen Visum reiste er über Ägypten nach Österreich ein. Als er um Asyl bat, wurde er von den österreichischen Behörden in Abschiebehaft genommen und nach Deutschland überstellt. Das Gefühl entrechtet zu sein, folgte ihm jedoch überallhin wie ein Schatten. „Wir dürfen nicht arbeiten.“
Dieser Bericht ist von der Karawane

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